Müssen Spieleentwickler ihre Spiele für GeForce NOW wirklich anpassen?
Angeblich gibt es weltweit über 100 Millionen Mac-Nutzer. Laut dem Steam Hardware Survey dümpelt macOS historisch konstant irgendwo zwischen mickrigen 1 % und 2,5 % herum. Überraschung: Warum sollten Mac-Nutzer auch Steam installieren, wenn so gut wie kein Studio für macOS entwickelt? Man sollte solche Statistiken also mit Vorsicht genießen. Fakt ist, dass es definitiv Mac-User gibt, die gerne zocken würden, es aber nicht können. Ob daran nun Apples restriktive Silicon-Architektur schuld ist oder die pure Bequemlichkeit der Entwickler, ist am Ende völlig egal.
Das ist alles kalter Kaffee, warum also dieser Text? Ganz einfach: Nvidia betreibt mit "GeForce Now" einen Cloud-Gaming-Dienst, der Windows-Spiele auf so gut wie jedes Endgerät streamt, weil die Titel auf den Nvidia-Servern laufen. Das Vergnügen ist mit monatlich ab 10 Euro aufwärts nicht gerade billig, spart aber immerhin den teuren Gaming-PC.
Eigentlich klingt das wie der absolute Traum für jeden Spieleentwickler. Man kann weiterhin stinkfaul nur für Windows programmieren und erreicht trotzdem Millionen zahlungswillige Mac-Kunden. Das muss doch unfassbar aufwendig sein, oder? Absolut: Es kostet stolze zwei Minuten Lebenszeit. Man muss lediglich einen einzigen Schalter im Steamworks-Backend umlegen, um Nvidia die Streaming-Erlaubnis zu erteilen. Mehr nicht.
Ich bin Spieleentwickler. Wie muss ich vorgehen?
Der Weg durch das bürokratische Dickicht des Steamworks-Partnerportals sieht wie folgt aus:
- Auf dem Steamworks-Partnerportal anmelden, das Spiel auswählen und über App-Admin zu "Anwendung" und dann "Cloud Play" navigieren.
- Den Steam Cloud Play-Zusatz lesen und akzeptieren, falls das nicht schon längst erledigt wurde. Damit wird Valve rechtlich erlaubt, die Steam-Builds mit freigegebenen Cloud-Diensten zu verknüpfen.
- Das Häkchen setzen, um das Spiel für Steam Cloud Play freizugeben, was NVIDIA GeForce NOW explizit einschließt.
- Auf „Veröffentlichen“ klicken und die aktualisierte App-Konfiguration live schalten.
Sobald diese bahnbrechenden Änderungen auf Steam veröffentlicht sind, registriert das System von Nvidia das Opt-In automatisch. In der Regel dauert es etwa zwei Werktage, bis das Spiel mit dem „Install-to-Play“-Tag im öffentlichen GeForce NOW-Katalog auftaucht und die Community endlich losstreamen kann.
Wieso macht nicht jeder mit, wenn es doch so einfach ist?
Mit Unwissenheit lässt sich diese Ignoranz nicht entschuldigen. Ich habe selbst 50 Spieleentwickler angeschrieben und innerhalb von acht Wochen haben ganze zwei Studios überhaupt geantwortet. Eines schickte ein standardisiertes "Danke für den Vorschlag", das andere immerhin ein "haben wir eben gemacht". Es ist von den Studios also absolut gewollt, der zahlenden Kundschaft vorzuschreiben, auf welcher Hardware sie gefälligst zu spielen hat.
Als mündiger Kunde sollte man um solche Entwickler künftig schlicht einen gigantischen Bogen machen.